Einrichtung nach Brand in der Nachbarwohnung ruiniert – welche Versicherung zahlt den Schaden?

Pappschild mit einer Glühbirne

Ein typisches Szenario, das sich mehrmals täglich in Deutschland ereignet. In einem Mehrfamilienhaus bricht in einer der Wohnungen ein Feuer aus. Alle Bewohner verlassen das Haus und nach den Löscharbeiten ist der Schaden sichtbar:

Die eigene Wohnung ist zwar nicht vom Feuer betroffen, aber der Rauch, der sich aus der Brandwohnung über das Treppenhaus verbreitet hat, ist in die Wohnung gezogen. Brandgeruch hängt in der Luft, teilweise sind Einrichtungsgegenstände rußverschmiert. Wer kommt nun für den Schaden auf?

Ist ein Rußschaden in der eigenen Wohnung ein Versicherungsfall?

In Deutschland kommt es jeden Tag zu Wohnungs- oder Wohnhausbränden mit Schäden, die teilweise im sechsstelligen Bereich liegen. In der Regel lässt sich der bei einem Brand vernichtete Hausrat nicht aus eigener finanzieller Kraft neu beschaffen. Für diese Fälle gibt es die Hausratversicherung. Damit sind Schäden, die durch ein Feuer verursacht werden, versichert. Das gilt nicht nur für Schäden durch die unmittelbare Einwirkung des Feuers, sondern auch durch Rauch. Diese fallen in der Regel sogar höher aus, da sich Rauch im Gegensatz zum Feuer besser ausbreiten kann. Somit ist der Schaden durch Raucheinwirkung in der eigenen Wohnung auch versichert, selbst wenn es hier nicht gebrannt hat.

Warum muss nicht zuerst der Nachbar den Schaden über seine Privathaftpflicht zahlen?

Wir kennen das Prinzip, dass derjenige, der einen Schaden verursacht, auch dafür aufkommen muss. Dafür gibt es die Haftpflichtversicherung, damit bei einer Schadensersatzforderung nicht der finanzielle Ruin vorprogrammiert ist. Insofern liegt der Gedanke nahe, dass bei einem Schaden in der eigenen Wohnung dennoch erst einmal die Privathaftpflicht des Nachbarn zahlen müsste. Schließlich ist der Schaden ja auch von seiner Wohnung ausgegangen. Dem ist aber nicht so. Zuerst greift nämlich die eigene Versicherung, das ist natürlich die Hausratversicherung. Ist diese nicht vorhanden, leistet unter Umständen die Privathaftpflicht des Nachbarn. Das aber auch nur dann, wenn er den Brand schuldhaft ausgelöst hat. Ansonsten steht er nicht in der Haftung und dann gibt es keinen Schadensersatz.

Warum ist die Hausratversicherung gerade im Brandfall so wichtig?

Wird die eigene Wohnung durch einen Brand im Haus in Mitleidenschaft gezogen, ist die eigene Hausratversicherung unverzichtbar. Die Hausratversicherung kommt für die Schäden bei einem Feuer auf und zwar zum Neuwert. Alle Hausratgegenstände, die beschädigt oder zerstört wurden, können neu beschafft werden. Obwohl es sich um gebrauchte Gegenstände zum Zeitpunkt des Schadens handelt, wird hier zum Neuwert geleistet. Dass die Privathaftpflicht des Nachbarn leistet, ist nämlich nur gegeben, wann er fahrlässig das Feuer ausgelöst hat. Wenn er keine Privathaftpflicht hat, wird es mit dem Einklagen der Schadensersatzforderung natürlich noch komplizierter. Ohne Hausratversicherung ist es also schon ein großes Problem, wenn die eigene Wohnung direkt oder indirekt von einem Brand betroffen ist.

Gibt es eine Möglichkeit, sich vor dem Brandrauch zu schützen?

Wenn ein Feuer im Haus ausbricht, zum Beispiel im Keller oder in einer Nachbarwohnung, dann ist der erste Gedanke: raus hier! Der Treppenraum ist der einzige Fluchtweg, der aber auch Gefahren birgt. Dringt Rauch vom Brand aus in das Treppenhaus ein, so ist es gefährlich, diesen Fluchtweg zu nutzen. Zudem wird in der Panik die Wohnungstür nicht zugezogen und bleibt stattdessen auf, so dass der Brandrauch hineindringen kann.

Was abwegig klingt, ist aber bei näherer Betrachtung logisch: Warum muss ich überhaupt meine Wohnung über das Treppenhaus verlassen, wenn es irgendwo im Haus brennt? Kann ich nicht einfach die Wohnungstür geschlossen halten und auf die Feuerwehr warten? In den meisten Fällen sind Mehrfamilienhäuser so gebaut, dass ein Brand in der Regel auf die betroffene Wohnung oder den Keller begrenzt bleibt. Das Problem ist aber der Rauch, der sich ungehindert ausbreitet. Das kann selbst die Feuerwehr nicht vollständig verhindern. Bleibt die eigene Wohnungstür aber geschlossen und wird mit nassen Handtüchern abgedichtet, so bleibt der Rauch draußen. Dabei ist es sinnvoll, sich am offenen Fenster bemerkbar zu machen. Die Feuerwehr wird das wahrnehmen und dann, falls überhaupt nötig, die Rettung aus der eigenen Wohnung vornehmen. Ist diese rauchfrei, so ist das erst einmal noch nicht nötig. In der Regel wird der Brand schneller bekämpft, als eine nicht zwingend notwendige Evakuierung oder Rettung andauert.

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