Herabfallendes Laub bringt Rutschgefahren mit sich – ein Fall für die Haftpflichtversicherung?

Herbstlaub auf der Straße

Draußen ist es heute Morgen mal wieder so richtig ungemütlich. Regen, Dunkelheit und dazu noch das feuchte Laub, das sich so langsam auf den Gehwegen verteilt. Die nächsten Wochen werden da nicht besser. Sind Sie auf dem Weg zur Arbeit oder zum Bus auch schon mal auf dem feuchten Laub ins Rutschen gekommen?

Ein Sturz kann unangenehme Folgen haben – von der verunreinigten Hose bis zum Beinbruch. Was geschieht, wenn ein Passant vor Ihrem Haus auf dem Herbstlaub ausrutscht? Wer kommt in diesem Fall für einen möglichen Schaden auf?

Laub fegen ist Pflicht – sonst drohen Schadensersatzforderungen

Auch wenn es morgens eine unangenehme Pflicht ist: Für Sie als Privatperson ist Laubfegen Pflicht, sofern Ihr Grundstück an einen öffentlichen Gehweg grenzt. Es kann ohne weiteres passieren, dass ein Fußgänger auf der feuchten Laubschicht ausrutscht, dabei zu Fall kommt und sich verletzt. In solchen Fällen ist die Privathaftpflicht unverzichtbar. Einerseits wird sie bei einer berechtigten Schadensersatzforderung den Schaden übernehmen. Auf der anderen Seite können durch die Privathaftpflicht natürlich auch unberechtigte Forderungen abgewehrt werden. Schließlich kann es sein, dass der Geschädigte seinen Sturz selber zu verantworten hat.

Ausgerutscht auf nassem Laub – wie sieht die Haftung von Wohnungseigentümern aus?

Sind Sie Eigentümer einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus? Dann stehen Sie gemeinsam mit den anderen Eigentümern in der Haftung, wenn sich draußen vor der Tür ein Unfall ereignet. Das bezieht sich nicht nur auf den Gehweg, der laubfrei gehalten werden muss, sondern auch auf den Zuweg zum Haus. Schließlich wird der Hauseingang ja mehrfach täglich von Zeitungsboten, Briefzustellern und Paketdiensten frequentiert. Als Wohnungseigentümergemeinschaft ist es sinnvoll, wenn für solche Fälle eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung besteht. Die normale Privathaftpflicht leistet hier nicht. Das gilt auch für Eigentümer von Mehrfamilienhäusern. Diese müssen ebenfalls dafür sorgen, dass der Gehweg vor dem Haus frei von Laub gehalten wird. Dazu können die Mieter mit ins Boot genommen werden.

Kann die Räumpflicht für Laub auf die Mieter übertragen werden?

Sie tun gut daran, wenn Sie die Räumpflicht und auch die Streupflicht im Winter in der Hausordnung klar regeln. Damit unterliegen die Mieter eines Mehrfamilienhauses der Räumpflicht und müssen die Gehwege von Laub freihalten. Damit ist allerdings auch eine Kontrollpflicht Ihrerseits verbunden. Wenn sich herausstellt, dass die Räumpflicht vernachlässigt wird, stehen Sie wiederum als Vermieter in der Haftung, wenn Sie nicht ausreichend kontrolliert haben. Das muss natürlich nicht jeden Tag der Fall sein, sollte aber dennoch in regelmäßigen Abständen erfolgen. Ereignet sich tatsächlich ein Schaden, ist das ein Fall für die Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung. Die Privathaftpflicht reicht hier nicht mehr aus!

Hauseigentümer müssen im Zweifelsfall für eine Vertretung sorgen

Krank, im Urlaub oder schon zur Arbeit? Es gibt viele Gründe, warum der Gehweg morgens nicht von Laub befreit werden kann. Als Hauseigentümer sollten Sie in einem solchen Fall Ihren Nachbarn um Hilfe bitten, dass er den Gehweg auch vor Ihrem Grundstück freischaufelt. Allerdings sind hier die Kontrollpflichten weniger streng als beim Eigentümer eines Mehrfamilienhauses. Ihnen kann nicht zugemutet werden, dass Sie beispielsweise Ihre Arbeit oder sogar den Urlaub unterbrechen, um den Nachbarn zu kontrollieren – so eine Entscheidung des Oberlandesgerichtes Schleswig aus dem Jahr 2011. Nebenbei – der Räumpflicht sind auch gewisse zeitliche Grenzen gesetzt. Kommt um sechs Uhr morgens ein Fußgänger vor Ihrem Grundstück auf dem feuchten Laub zu fall, wird das sicherlich nicht Ihnen angelastet. Die Räumpflicht muss zumutbar sein. In der Regel richten sich die Zeiten nach dem Winterdienst – also zwischen 7 und 20 Uhr. Natürlich muss nicht jedes Blatt weggefegt werden, aber mit wachsender Laubmenge müssen Sie schon den Besen schwingen.

Wohin mit dem ganzen Laub?

Einfach von dem Gehweg auf die Straße kehren ist nicht drin. Die Fahrbahn kann einerseits davon beeinträchtigt werden und Regenwasserabflüsse verstopfen. Also in die Biotonne oder auf den Kompost. Manche Gemeinden stellen mittlerweile Sammelbehälter an den Straßen auf, die einen größeren Baumbestand haben. Schließlich können Sie auch nicht kubikmeterweise Laub auf Ihr Grundstück oder in die Biotonne packen. Nebenbei: Der Laubsauger ist zwar eine praktische Hilfe. Diesen dürfen Sie aber nicht zu jeder Tageszeit einsetzen. Das geht aus den Regelungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes hervor. In Wohngebieten dürfen diese erst ab 9 Uhr eingesetzt werde, abends bis 17 Uhr. Dazwischen gilt natürlich auch die Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr. Der Sonntag ist tabu, ebenso Feiertage.

Welche Versicherung kommt für Schäden auf?

Ist der Schadensfall eingetreten, ist schnelles Handels erforderlich. Schließlich muss die Haftpflichtversicherung zeitnah über den Unfall und mögliche Schadensersatzforderungen informiert werden. Die Privathaftpflicht kommt hier zum Zuge, wenn der Unfall am oder auf dem Grundstück Ihres selbstgenutzten Einfamilienhauses geschieht. Hat sich der Unfall hingegen auf den Verkehrswegen eines Mehrfamilienhauses ereignet, so greift hier in der Regel die Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung. Ausnahmen gibt es aber bereits für Eigentümer von Zweifamilienhäusern: Hier kann der Versicherungsschutz unter Umständen über die Privathaftpflicht vorhanden sein, wenn es sich um einen Tarif der neueren Generation handelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.