Der Sturz vom Pony – nicht immer haftet der Pferdehalter

Ponyreiten auf der Kirmes, Voltigieren auf dem Reiterhof, Urlaub auf dem Bauernhof – es gibt viele Gelegenheiten, bei denen Kinder einmal ausprobieren können, auf dem Rücken eines Ponys zu sitzen.

Schließlich sind Ponys kleine drollige und zottelige Pferde, die vor allem kleine Kinder in ihren Bann ziehen. Wen wundert es, wenn viele Reitschulen oder Reiterhöfe einen steten Zuwachs von pferdebegeisterten Kindern erleben: Viele von ihnen möchten einfach regelmäßig auf dem Rücken des Ponys sitzen. Was ist aber, wenn ein Kind vom Pony fällt und sich dabei verletzt? Wer haftet für die möglichen Kosten einer Heilbehandlung oder sogar für das Schmerzensgeld?

Haftung des Pferdehalters

Halter von Pferden, Ponys, Fohlen und auch Eseln unterliegen der Gefährdungshaftung. Ereignet sich ein Schaden, sind sie zunächst dafür verantwortlich. Da in den Augen des Gesetzgebers von einem Pferd eine Gefährdung ausgeht, ist diese Form der Haftung gegeben. Daher benötigen Pferdehalter zur Absicherung gegen mögliche Schadensersatzansprüche eine Pferdehaftpflicht oder bei gewerblicher Nutzung eine Betriebshaftpflichtversicherung. Damit werden nicht nur berechtigte Schadensersatzansprüche finanziell abgegolten, sondern unberechtigte Ansprüche abgewehrt.

Für die Haftung des Pferdehalters spielt die Verwirklichung der Tiergefahr eine wichtige Rolle

Der klassische Fall: Ein Pony scheut wegen eines lauten Geräusches und wirft das Kind, das gerade im Sattel sitzt, ab. Meistens gehen solche Stürze glimpflich aus, in manchen Fällen kommt es zu Verletzungen, die ambulant oder sogar stationär versorgt werden müssen. Da der Unfall primär durch das Verhalten des Ponys ausgelöst wurde, muss der Halter für die Kosten des Unfalles haften. In diesem Fall übernimmt die Pferdehaftpflichtversicherung die Schadenersatzansprüche. Ausschlaggebend ist hier die Verwirklichung der Tiergefahr, da der Schaden sich durch das Verhalten des Ponys verwirklicht hat. Was viele Eltern, deren Kinder das Reitfieber gepackt hat nicht wissen: Liegt die Unfallursache nicht beim Pony und sind alle Verkehrssicherungspflichten seitens des Halters erfüllt, kann der Schadenersatzanspruch ins Leere laufen.

Sturz vom Pony – kein Haftung der Reitschule

Ein fünfjähriges Mädchen nahm in einer Reitschule am Möhnesee an einer Reitstunde für Kinder teil. Dabei ritten die Kinder auf Ponys. Die Ponys hatten eine Decke mit Haltegriffen aufgelegt und wurden von einer 20-jährigen Aushilfe begleitet. Die Ponys wurden an einer zwei Meter langen Longe geführt. Während des Rittes sollten die Kinder kurz freisitzend in die Hände klatschen. Dabei verlor das Mädchen das Gleichgewicht und fiel vom Pony. Die Eltern forderten von der Reitschule unter anderem ein Schmerzensgeld über 5.000 Euro. Die Argumentation: Eine von der Reitschule zu vertretende Verkehrssicherungspflicht habe zu dem Unfall geführt.

Oberlandesgericht Hamm sieht keine Haftung der Reitschule

Nachdem der Rechtsstreit nicht außergerichtlich beigelegt werden konnte, musste sich in zweiter Instanz das Oberlandesgericht Hamm mit dem Vorgang beschäftigen. Dort kamen die Richter schließlich zu dem Entschluss, dass die Reitschule keine Haftung trifft. Als erstes war die von der Reitschule beauftragte Aushilfe als erfahrene Kraft einzuschätzen. Sie konnte durch ihr Alter und ihre Kenntnisse eine solche Reitstunde durchführen. Auch sei das Kind bereits vorher auf einem Pony geritten und es habe keine Anzeichen dafür gegeben, dass das Mädchen dem Ritt auf einem Pony physisch nicht gewachsen sei. Dazu seien die bei Reitstunden üblichen Gleichgewichtsübungen nicht als sachwidrig zu betrachten. Eine Reiterfahrung war durch das Mädchen also bereits gegeben. Dadurch, dass das Mädchen lediglich das Gleichgewicht verloren hatte, konnte auch nicht die Verwirklichung der Tiergefahr als Unfallursache herangezogen werden, da sich das Pony in dem Moment auch nicht auffällig gezeigt hatte.

Ponyreiten für Kinder – was Eltern wissen müssen

Ein Sturz vom Pony kann glimpflich ausgehen oder auch mit schweren Verletzungen enden. Fakt ist nach dem Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm aus dem Jahr 2013, dass eine Haftung des Pferdehalters jedenfalls dann nicht in Betracht kommt, wenn sich der Sturz ohne ein tiertypisches Verhalten des Ponys ereignet hat. Das Verlieren des Gleichgewichtes ist in keinem Fall der Verwirklichung der Tiergefahr zuzuordnen, so dass die Folgen eines solchen Sturzes keine Haftung des Pferdehalters auslösen. Dessen sollten sich Eltern grundsätzlich klar sein. Letztendlich werden die Heilbehandlungskosten ja auch von der Krankenkassen übernommen – ein Schmerzensgeldanspruch dürfte in ähnlich gelagerten Fällen aber ins Leere laufen.

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