Kann die Reitbeteiligung gegen den Pferdehalter Schadensersatzansprüche geltend machen?

Mädchen reitet auf Pferd

Die Pferdehaftpflicht ist eine unverzichtbare Absicherung gegen Schadensersatzforderungen, wenn durch das Pferd ein Schaden verursacht wird. Insbesondere bei einer Reitbeteiligung ist die Pferdehaftpflicht von großer Bedeutung. Die Haftung bleibt nämlich auch dann bestehen, wenn fremde Reiter mit dem Pferd einen Schaden verursachen.

Das fällt in den Bereich der Gefährdungshaftung des Pferdehalters. Allerdings gibt es hier auch Grenzen. Eine Leistung der Pferdehaftpflicht wird dann strittig, wenn der fremde Reiter selber einen Schadensersatzanspruch gegen den Pferdehalter stellt. Hinzu kommt, dass die Rechtsprechung in Deutschland hier höchst unterschiedlich entscheidet.

Oberlandesgericht Nürnberg im Jahr 2017 – Haftung des Pferdehalters

Durch einen Sturz von einem Pferd erlitt eine Reiterin eine Querschnittslähmung. Da sie das Pferd lediglich im Rahmen einer Reitbeteiligung nutzte, klagte sie vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth gegen die Pferdehalterin auf Schmerzensgeld und Schadensersatz. Dort wurde die Klage zunächst abgewiesen. Nach Ansicht der Richter ergibt sich aus der vereinbarten Reitbeteiligung ein stillschweigender Haftungsausschluss. In der Berufung wurde die Haftung des Pferdehalters dann doch noch bejaht. Eine Reitbeteiligung ändert nach Ansicht des Gerichtes nichts daran, dass die Beklagte zum Unfallzeitpunkt alleinige Halterin des Pferdes war. Allerdings wurde die Haftungsquote auf 50 Prozent reduziert. Die Richter vertraten die Ansicht, dass die Geschädigte zum Zeitpunkt des Unfalles unbestritten die Tierhüterin war und möglicherweise im Rahmen eines Sorgfaltsverstoßes mit zu dem Unfall beigetragen hat. Da die Geschädigte dieses nicht widerlegen konnte, wurde der Schadensersatzanspruch auf 50 Prozent reduziert.

Dieses Urteil sollte vielen Pferdehaltern Anlass dazu geben, ihre Pferdehaftpflichtversicherung zu überprüfen. Sind Schadensersatzansprüche der Reitbeteiligung darin ausreichend versichert? Informationen zum Thema Pferdehaftpflicht finden Sie hier: https://www.vergleichen-und-sparen.de/pferdehaftpflicht/

Oberlandesgericht Nürnberg im Jahr 2011 – Entscheidung zugunsten des Pferdehalters

Noch vor sechs Jahren kam es vor dem Oberlandesgericht Nürnberg zu einer anderen Entscheidung. Ein Schadensersatzanspruch gegen eine Pferdehalterin ist durch die Reiterin, die Rahmen einer Reitbeteiligung das Pferd nutzt, ausgeschlossen. Geklagt hat eine Reiterin, sie wollte gegen die Pferdehalterin Schmerzensgeld und Schadensersatz in Höhe von 7.000 Euro geltend gemacht.

Nach einem Ausritt im Sommer 2010 war die Reiterin gerade im Reitstall wieder angekommen, als sich das Pferd bei dem Abstieg aus dem Sattel durch ein plötzliches Geräusch erschreckte und zur Seite sprang. Dabei erlitt die Reiterin eine Fraktur des Fußes. Die Geschädigte berief sich auf die Tierhalterhaftung, wonach die Pferdehalterin für den erlittenen Schaden aufkommen müsse. Eine Haftung wurde hier vom OLG Nürnberg verneint.

Eine Reitbeteiligung ist ein stillschweigender Haftungsausschluss. Gegen ein monatliches Entgelt von 35 Euro hatte die Geschädigte den Anspruch erworben, einmal wöchentlich das Pferd zu reiten, zu pflegen oder zu versorgen. Auch wenn die Reitbeteiligung nicht in schriftlicher, sondern nur in mündlicher Form getroffen wurde, besteht dennoch ein stillschweigender Haftungsausschluss. Das Risiko für den Pferdehalter wäre einfach zu hoch, wenn dieser auch noch für die erlittenen Schäden des Reiters haften müsste. Zwar bietet die Pferdehaftpflicht in den meisten Fällen Schutz im Schadensfall bei einer Reitbeteiligung, das aber nur, wenn Dritte geschädigt werden. In der Pferdehaftpflicht wird für diese Art von Schäden in vielen Tarifen nicht geleistet.

Landgericht Dortmund im Jahr 2015 – Pferdehaftpflichtversicherung muss zahlen

Anders als das Oberlandesgericht Nürnberg befanden in einem ähnlichen Fall die Richter am Dortmunder Landgericht im Jahr 2015. Eine Pferdehalterin hatte mit einer Freundin vereinbart, dass diese regelmäßig mit dem Pferd ausreiten darf. Bei einem Ausritt kam es zu einem Unfall. Das Pferd schlug aus und trat der Reiterin gegen das Bein. Sie zog sich dabei eine Unterschenkelfraktur zu. Die Pferdehaftpflichtversicherung lehnte den Schaden erst einmal ab. Schließlich haben sich beide Parteien auf ein Hüten des Pferdes geeinigt und damit tritt eine sogenannte Mithaltereigenschaft in den Vordergrund. Das Landgericht Dortmund sah die Situation anders. Der Pferdehaftpflichtversicherung sei es nicht gelungen, den Beweis eines Hütevertrages beizubringen. Nur in diesem Fall hätte die Schadensersatzzahlung abgelehnt werden können. Allein das bloße Ausreiten ohne damit verbundene regelmäßige oder vertragliche Pflichten stellt noch kein Hüten im rechtlichen Sinne dar.

Nicht aufgeklärter Reitunfall geht zu Lasten der verletzten Reiterin

Auch das Oberlandesgericht Hamm musste sich mit einem Unfall einer Reitbeteiligung befassen. Die Reiterin ist im Rahmen eines Ausrittes in einen Unfall verwickelt worden und erlitt ein Unfalltrauma. Sie konnte sich nicht an das Unfallgeschehen erinnern. Sie klagte gegen die Pferdehalterin auf Schmerzensgeld über 40.000 Euro und eine monatliche Erwerbsminderungsrente. Vor Gericht stellte sie die Behauptung auf, der Sturz hätte sich durch die Verwirklichung der Tiergefahr ereignet, da das Pferd gescheut hätte, dabei durch das Unterholz gerannt wäre, wobei die Reiterin mit einem Ast auf Kopfhöhe kollidiert wäre. Hier wiesen die Richter die Klage jedoch ab, da die Reiterin nicht beweisen konnte, dass sich der Unfall aus der Verwirklichung der Tiergerfahr heraus ereignet hatte. Auch wenn das Verletzungsbild der Klägerin mit der Aussage stimmig war, gegen einen Ast gestoßen zu sein, sage das noch nichts über das Unfallgeschehen selber aus. Die Pferdehalterin war also aus der Haftung raus.

Wie kann die Reitbeteiligung in der Pferdehaftpflicht geschützt werden?

Grundsätzlich gilt: Die Pferdehaftpflichtversicherung übernimmt auch die Schäden, die das Pferd in der Obhut eines fremden Reiters verursacht hat. Dafür ist das sogenannte Fremdhüterrisiko in fast allen Verträgen mit eingeschlossen. Darüber hinaus gilt auch bei der Reitbeteiligung: Es besteht Versicherungsschutz, wenn das Pferd einen Schaden verursacht und Dritte gegen den Pferdehalter Schadensersatzansprüche stellen.

Wie sieht es aber aus, wenn eine Reitbeteiligung vertraglich nachweisbar ist und das Pferd der Reitbeteiligung eine Verletzung zufügt? Viele Gesellschaften schließen dieses Risiko aus, da die Reitbeteiligung sogenannte Haltereigenschaften erworben hat. Ein Beinbruch durch den Tritt eines Pferdes wäre damit einem Eigenschaden gleichzusetzen. Allerdings gibt es auch verschiedene Anbieter, die im Rahmen der Pferdehaftpflichtversicherung erweiterten Schutz für die Reitbeteiligung anbieten: Das ist dann der Fall, wenn diese selber durch das Pferd geschädigt wird. Schadensersatzansprüche werden dann übernommen, wenn diese in den Bedingungen der Pferdehaftpflichtversicherung ausdrücklich mit vereinbart sind.

Daher ist es lohnenswert, eine ältere Pferdehaftpflichtversicherung gegen einen neueren Tarif auszutauschen, damit solche Schadensereignisse ebenfalls berücksichtigt sind. Nicht selten müssen sich nämlich Gerichte mit der Frage beschäftigen, ob die Reitbeteiligung trotz ihrer Haltereigenschaft aus der Pferdehaftpflicht entschädigt werden muss. Wohlgemerkt: Es geht hier nicht nur um die Haftung des Pferdehalters, sondern auch darum, ob die Pferdehaftpflichtversicherung in einem solchen Fall auch ohne Haftung des Pferdehalters einen solchen Schaden zahlt.

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