Pferdehaftpflicht: Welche Schadensfälle können bei der Weidehaltung auftreten?

Pferde auf einer Koppel

Gerade in den Sommermonaten werden viele Pferde auf der Weide und nicht im Stall gehalten. Das entspricht ihrem natürlichen Wesen, darüber hinaus haben die großen Vierbeiner genügend Platz, um sich zu bewegen. Schließlich kann nicht zu jeder Tag- und Nachtzeit ein Ausritt erfolgen, damit ausreichend Bewegung gegeben ist.

Die Haltung der Pferde kann unter Umständen einige Risiken mit sich bringen. Für Pferdefreude ist daher die Absicherung mit der Pferdehaftpflicht sehr wichtig. Im Schadensfall trägt zunächst der Pferdehalter die Haftung. Ohne Pferdehaftpflicht muss er Schadensersatzansprüche also aus eigener Tasche befriedigen. Das kann im Extremfall die finanzielle Existenz kosten.

Umzäunung einer Weide muss Sicherheit bieten

Grundsätzlich gilt: Wenn Ihr Pferd von einer Weide ausbüxt und dabei einen Schaden verursacht, stehen Sie als Pferdehalter in der Haftung. Deshalb müssen Sie alles unternehmen, um die Weide ausbruchsicher zu gestalten. Ist Ihr Pferd in einem Fremdstall untergebracht, ist der Stallbesitzer dafür verantwortlich, Sie müssen dennoch Ihr Augenmerk darauf richten und sicherstellen, dass die Zaunvorschriften eingehalten werden. Dass ein Unfall nicht immer glimpflich ausgeht, hat sich im Sommer 2010 gezeigt. Damals ist ein Pferd von einer Weide ausgebrochen und kollidierte auf der Autobahn A 6 mit einem Pkw. Dabei wurde der Familienvater im Auto getötet.

Die Pferdehalterin wurde zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro verurteilt, die Schadensersatzforderung wird zivilrechtlich in sechsstelliger Höhe liegen. Ist hingegen eine ausreichende Sicherung der Weide vorhanden, können Sie aus Ihrer Haftung entlastet werden. Dafür muss gewährleistet sein, dass bei einem Elektrozaun dieser regelmäßig überwacht wird und bei Berührung von Tieren eine entsprechende Spannung abgibt.

Eine Rangelei zwischen zwei Pferden und die Folgen

Pferde sind vom Wesen her Fluchttiere und lassen sich schnell durch Geräusche oder schnelle Bewegungen erschrecken. Solche Momente können sich auf der Weide ohne weiteres ereignen, wenn eines der Pferde sich mit einem anderen Artgenossen kabbelt. In der Regel ergreift einer der beiden Kontrahenten die Flucht. Nicht selten gerät das Pferd dabei an den Rand der Weide und kommt mit dem Zaun in Berührung. Wird das Pferd dabei verletzt, weil es sich an den Litzen des Zaunes Schnittwunden zufügt, muss dafür nicht zwangsläufig der Stallbesitzer haften. Ein solches Risiko lässt sich eher auf die Verwirklichung der Tiergefahr zurückführen. Das Oberlandesgericht Celle hat im Jahr 2013 geurteilt, dass sich nicht der Zaun auf das Unfallgeschehen ausgewirkt hat, sondern das Pferd selber sich durch sein tiertypisches Verhalten verletzt. Somit konnte der Stallbesitzer nicht durch die Pferdehalterin in Haftung genommen werden.

Haftung im Aktivstall – wer trägt die Tierarztkosten nach einem Unfall?

Dass Pferde in Gruppen gehalten werden, gilt als artgerecht. Kommt es zwischen den Pferden zu einer Kabbelei und eines der Pferde muss tierärztlich versorgt werden, taucht oft die Frage auf, wer die Tierarztkosten bezahlen muss. Lässt durch die Beobachtung des Vorfalles belegen, welches Pferd der Aggressor war, so haftet natürlich auch der betreffende Halter des Pferdes. Das ergibt sich allein aus den Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Das Oberlandesgericht Koblenz hat im Jahr 2012 ferner geurteilt, dass auch mehrere Pferdehalter zur Haftung herangezogen werden können, wenn der Verursacher unter den Pferden nicht eindeutig auszumachen ist. Die Richter waren der Ansicht, dass alle Tierhalter einer gemeinschaftlichen Haftung unterliegen. Das sei immer noch fairer, als den geschädigten Tierhalter allein auf seinem Schaden sitzen zu lassen.

Paddock zu klein – Pferdehalterin bleibt auf Tierarztkosten sitzen

Allerdings hat diese Form der Haftung aber auch seien Grenzen. Das ist dann der Fall, wenn die Haltung der Pferde auf zu engem Raum stattfindet. Dem Urteil des OLG Koblenz steht nämlich ein Urteil des Oberlandesgerichtes Köln entgegen. Hier haben die Richter gegenteilig entscheiden. Die Klage einer Pferdehalterin auf Schadensersatz wurde abgewiesen. Ihr Wallach wurde auf einem Paddock von einem der anderen dort untergebrachten Pferde verletzt und zog sich unter anderem eine Fissur am linken Vorderbein zu.

Für die Ablehnung der Klage hatte das Oberlandesgericht allerdings eine überraschende Argumentation: Durch die Haltung auf einem ca. 250 Quadratmeter großem Paddock sein die Pferdehalterin bewusst ein größeres Risiko eingegangen. Bei dieser geringen Größe ist damit zu rechnen, dass sich Pferde untereinander eher bekabbeln als auf einer größeren Fläche. Daher hat im Jahr 2013 das OLG Köln nicht die Halter der anderen Pferde in die Haftung genommen, sondern war von einem stillschweigenden Haftungsausschluss ausgegangen. Die Pferdehalterin hat demnach ihr Pferd selber diesem Risiko ausgesetzt.

Die Pferdehaftpflichtversicherung ist unverzichtbar

Wann kann ein Pferdehalter im Schadensfall in die Haftung genommen werden? Bei größeren Schäden müssen oftmals die Gerichte in Deutschland hier Recht sprechen und eine Entscheidung treffen. Dabei geht es für die Pferdehaftpflicht nicht nur darum, Schadensersatzansprüche zu befriedigen. Bei strittigen Schadensersatzforderungen übernimmt die Pferdehaftpflicht auch die Vertretung de rechtlichen Interessen ihres versicherten Pferdehalters. Das kann dazu führen, dass ein Schadenersatzanspruch auch gerichtlich abgelehnt wird. Die Kosten in einem solchen Rechtsstreit trägt zunächst die eigene Pferdehaftpflichtversicherung und dann im Endeffekt die unterlegene Partei des Verfahrens.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.