Was genau ist Voltigieren? II

Im 20. Jahrhundert nahm man das Voltigieren nach dem Ende des 2. Weltkrieges, Anfang der 50-er Jahre wieder auf. Man begann 1950 im Göttinger Universitätsreitstall und stellte dort eine Schautruppe zusammen, die für erste begeisterte Anhänger sorgte. Schnell entwickelte sich das Voltigieren weiter und erlangte innerhalb sehr kurzer Zeit national eine große Bekanntheit.

Die Voltigierer begannen, sich fest zu organisieren; man legte Richtlinien fest, die bundesweite Gültigkeit hatten, und in denen bestimmte Pflichtübungen vorgeschrieben waren. Im Jahr 1963 fanden die ersten deutschen Gruppen-Meisterschaften im Voltigieren in Wiesbaden statt; damals ausschließlich im Gruppenvoltigieren. 1964 legte man das Mindestalter für die Teilnahme fest: 16 Jahre alt musste man mindestens sein, um bei den Wettbewerben mitmachen zu können. Zur Mitte der siebziger Jahre erst führte man das Einzelvoltigieren als separate Disziplin ein.

In den siebziger Jahren gab es auch die ersten internationalen Wettbewerbe im Voltigieren. 1976 gab es ein erstes inoffizielles Turnier in Konstanz am Bodensee, an dem immerhin bereits 6 Nationen teilnahmen. Dennoch dauerte es bis 1981, bis das Voltigieren als eigenständige Sportart überhaupt anerkannt wurde. Das entsprechende Reglement dazu wurde 1983 verabschiedet. Ab diesem Zeitpunkt konnten weltweit internationale Wettbewerbe ausgetragen werden. Die erste Europameisterschaft fand 1984 in Ebreichsdorf (Österreich) statt, die erste Weltmeisterschaft 1986 in Bulle (Schweiz).

Während dieser Jahre wurde das Reglement ständig ausgebaut und verfeinert. Gravierende Veränderungen gab es in den 90-er Jahren, als man beschloss, die Pflicht in zwei Blöcke einzuteilen.

Später erfolgte eine Aufgliederung in vier Leistungsklassen, und sowohl die Pflicht als auch die Kür wurden jeweils angepasst.

Erfreulich sind die durchgehenden Erfolge der deutschen Teilnehmer bei allen Wettbewerben: stets konnten sie sich eine Goldmedaille sichern. Dies führte dazu, dass dieser Sport stetig an Bedeutung zunahm und inzwischen aus dem Pferdesport nicht mehr wegzudenken ist.

Häufig bieten Reitvereine das Voltigieren an, um Kinder oder neue Mitglieder auf das Reiten vorzubereiten, wobei die Voltigierübungen häufig spielerisch ausgelegt sind. Sobald man allerdings an Wettbewerben teilnehmen will, bedarf es eines intensiven Trainings. Dies fordert sowohl den Voltigierer als auch sein Pferd; das Voltigieren ist eine sehr leistungsintensive Sportart.

Wer sich für dafür entscheidet, muss sehr viele Voraussetzungen mitbringen: ein gut ausgeprägtes Gefühl für Gleichgewicht, eine große Affinität zu Pferden, gepaart mit entsprechendem Vertrauen zu dem jeweiligen Tier und viel Kraft und Ausdauer. Weiterhin werden besonders Mut und ein gutes Gefühl für Rhythmus gefordert.

Als Voltigierer benötigt man einiges an Zubehör für den Sport: den Voltigiergurt und die Voltigierdecke, um den Rücken des Pferdes zu schützen; außerdem ein Pad und eine extra Schaumstoffunterlage, die unter dem Gurt befestigt wird. Hinzu kommen Trense und spezielle Hilfszügel, die Longe natürlich und möglicherweise Springglocken. Außerdem benötigt man Gamaschen und Bandagen.

Damit man die Haltung gut erkennen kann, ist es sinnvoll, eng anliegende Kleidung wie z. B. Trikots zu tragen, denn weite Kleidung hat auch den Nachteil, dass sie leichter am Gurt hängen bleiben kann. Besonders wichtig sind weiche Schuhe mit flexibler Sohle, die die Bewegungen auf dem Pferd erleichtern. Lange Haare trägt man zusammengebunden, Schmuck – insbesondere Ketten, Armbänder und Uhren – werden abgelegt.

Die Wettkampfklassen beim Voltigieren sind streng eingeteilt. Es gibt die Klassen A16 und L18, bei denen die jeweilige Altersgrenze 16, bzw. 18 Jahre beträgt. Alle anderen Klassen sind ohne jede Altersbeschränkung. Jährlich gibt es national eine große Anzahl von Voltigierwettkämpfen, und zwar sowohl auf Bezirks- als auch auf Kreisebene. Die Landesmeisterschaften, die nord- und die süddeutschen Meisterschaften und der bekannte 5 Länder Vergleichskampf, an dem 5 Bundesländer teilnehmen, finden jährlich wiederkehrend statt.

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