Pferdehaftpflicht: Oft wird die Notwendigkeit unterschätzt

Kleine Pferdefamilie Das Pferd gehört zu den wichtigsten und ältesten Haustieren in Deutschland. Noch im 19. Jahrhundert war das Pferd als Arbeitstier nicht zu ersetzen, im Wandel der Zeit und der Technisierung unserer Gesellschaft ging diese Bedeutung fast gänzlich verloren. Heute werden Pferde in der Regel nur noch als Sport- oder Freizeitpferde gehalten.

In Deutschland gibt derzeit rund 1 Mio. Pferde. Oberstes Gebot der Pferdehaltung ist die Erfüllung der Bedürfnisse des Pferdes. Dazu gehört viel Bewegung – in der freien Natur ist ein Pferd oft bis zu 16 Stunden am Tag unterwegs und legt dabei teilweise 30 bis 40 Kilometer zurück. Pferde benötigen somit viel Freiraum und auch jede Menge soziale Kontakte mit ihren Artgenossen.

Vom Wesen her sind Pferde vielfach schreckhafte Tiere. Gerade Vollblüter und Warmblüter gelten als nervös und leicht erregbar. Wenn es für ein Pferd zu einer Stresssituation kommt, kann es auch einmal zu einem Zwischenfall kommen, der einen Schaden nach sich zieht.

Die Haftung des Pferdehalters

Die Pferdehaltung wird vom Gesetzgeber als Gefahrenschaffung für Personen und Umwelt betrachtet. Im Schadensfall muss der Pferdehalter uneingeschränkt für den von seinem Pferd verursachten Schaden haften. Diesen Umstand bezeichnet man als Gefährdungshaftung. Der Gesetzgeber erlaubt die Pferdehaltung damit trotz ihrer Gefährlichkeit, weil damit gleichzeitig ein öffentlicher Nutzen verbunden ist.

Der Grundgedanke der Gefährdungshaftung liegt darin, dass derjenige, der aus der gefährlichen Handlung einen Nutzen zieht, auch für die Schäden einstehen muss, die hier in dem konkreten Fall durch die Pferdehaltung ausgehen. Ähnlich verhält es sich mit der Haltung von Hunden. Diese unterliegen ebenfalls der Gefährdungshaftung.

Mit der Pferdehaftpflicht kann sich der Pferdehalter gegen Schadensersatzforderungen absichern. Die private Haftpflichtversicherung kommt nicht für Schäden auf, die auf der Gefährdungshaftung beruhen. Daher ist die separate Pferdehaftpflicht notwendig. Anders als bei Hunden gibt es in Deutschland aber noch keine Verpflichtung, für sein Pferd eine Pferdehaftpflicht nachzuweisen. Jeder Pferdefreund tut aber gut daran, sich für den Schadensfall entsprechend zu rüsten.

Ein Schaden hat sich schnell ereignet

Wenn bei einem Pferd an einen Schaden denkt, fällt einen sofort der Tritt mit dem Pferdehuf ein, der für ein schmerzhaftes Erlebnis beim Getroffenen sorgen kann. Vielfach sind es auch andere Kleinigkeiten, die schnell einen Anspruch auf Schadensersatz hervorrufen:

Auf einer Weide mit ausreichendem Auslauf werden mehrere Pferde gehalten. Eines der Pferde reagiert unerwartet gereizt auf einen anderen Artgenossen und attackiert diesen mit Bissen und Tritten. Auf der Flucht vor dem Angreifer verheddert sich das Pferd im Zaun der Weide, kommt zu Fall und stürzt auch noch über den Wassertrog. Der herbeigerufene Tierarzt versorgt zahlreiche Schnitt- und Bisswunden. Die Rechnung für den Tierarzt muss nun der Pferdehalter übernehmen, von dessen Pferd die Attacke ausging. Hier zeigt sich schon der Sinn der Pferdehaftpflicht.

Ein Ausritt in der Abendsonne kann etwas herrlich Entspannendes haben. Schließlich liegt das berühmte Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde. Doch mit der Gemütlichkeit ist es ganz schnell vorbei, als zwei Radfahrer den Reiter passieren möchten. Das Pferd bäumt sich auf, vermutlich erschreckt durch das Auftauchen der Radfahrer und stößt einen der Radfahrer von seinem Drahtesel. Dieser kommt dabei zu Sturz und zieht sich eine Fraktur des Unterarmes zu. Eine längere Heilbehandlung ist die Folge. Auch wenn sich der Zwischenfall ohne das Zutun des Reiters ereignet hat, muss der Pferdehalter nun dafür haften.

Problematisch ist es vor allem, wenn Pferde von ihrer Weide ausbrechen. Sind mehrere Tiere auf der Flucht, kann das schnell zu einem Chaos in der Umgebung führen. Oftmals liest man Pressemeldungen, dass Feuerwehr, Polizei und Tierärzte ausgeschwärmt sind, um entlaufene Tiere wieder einzufangen.

Zu einem dramatischen Zwischenfall kam es am vergangenen Wochenende in Hessen. Dort sind mehrere Pferde von ihrer Weide ausgebrochen und haben sich auf einer Bundesstraße verirrt. Ein Pkw-Fahrer erkannte das Hindernis zu spät und fuhr in die Gruppe der Pferde. Der Fahrer des Pkw verstarb noch an der Unfallstelle, der Beifahrer wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Eines der Pferde kam bei dem Aufprall ums Leben, ein weiteres Pferd musste durch einen Polizisten erlöst werden.

Im Schadensfall ist die Pferdehaftpflicht unverzichtbar

Wie bereits beschrieben, ist die private Haftpflichtversicherung für solche Fälle nicht ausreichend. Ein Schaden, der durch ein Pferd verursacht wird, kann nur mit einer bestehenden Pferdehaftpflicht abgewickelt werden. Gerade für das letzte Beispiel gilt: Ohne den Schutz der Pferdehaftpflicht können die Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen für den Pferdehalter mit Sicherheit zum finanziellen ausführen.

Die Pferdehaftpflicht deckt Personen-, Sach- und Vermögensschäden ab. Je nach Anbieter liegen die Versicherungssummen hierfür bei bis zu 15 Mio. oder 20 Mio. Euro. Ein weiterer Vorteil der Pferdehaftpflicht: Diese wickelt nicht nur einen Schaden ab, sondern prüft auch die Haftungsfrage. Sollte sich ein Schadensersatzanspruch als unbegründet herausstellen, übernimmt die Pferdehaftpflicht die Abwicklung der Streitfrage auf eigene Kosten auch notfalls vor Gericht.

Wichtige Leistungen der Pferdehaftpflicht

Ein Blick nach draußen Wer ein Pferd hält, kommt nicht ohne den Schutz der Pferdehaftpflicht aus. Es kommt aber auch darauf an, ob wirklich die meisten Dinge aus dem alltäglichen Umgang versichert sind. Dazu gehört z. B. auch das sogenannte Fremdreiterrisiko. Damit sind Schadensfälle auch dann versichert, wenn nicht der Halter des Pferdes im Sattel unterwegs, sondern einfach mal Freunde oder Bekannte.

Ebenso muss man sich über das Risiko der Reitbeteiligung Gedanken machen. Wenn dritte Personen gegen eine finanzielle Beteiligung an der Pferdehaltung das Tier versorgen, füttern oder reiten dürfen, muss auch hier immer mit einem Schaden gerechnet werden – und wenn es nur die eingetretene Stalltür ist. Nicht derjenige, der gerade den Umgang mit dem Pferd ausübt, haftet für diesen Schaden, sondern der Pferdehalter. Auch wenn sich ein Schaden ohne sein Zutun und in seiner Abwesenheit ereignet hat, muss er in voller Höhe Schadensersatz leisten. Genau dieser Umstand macht die Pferdhaftpflicht auch ohne gesetzliche Regelung unverzichtbar.

Mietsachschäden sind immer wieder ein Thema. Das kann die bereits erwähnte eingetretene Stalltür sein, aber auch der niedergetrampelte Zaun auf der Weide. Als Pferdehalter ist man dem Geschädigten gegenüber dafür verantwortlich. Nicht alle Gesellschaften versichern solche Mietsachschäden, gerade aber dieser Punkt muss bei der Auswahl der passenden Versicherung unbedingt berücksichtigt werden. Genauso verhält es sich, wenn das Pferd in dem geliehenen Pferdeanhänger plötzlich randaliert. Wenn der Schaden nicht versichert ist, kann das für den Pferdehalter schnell zu einem finanziellen Problem werden.

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