Was genau ist Voltigieren?

Unter Voltigieren versteht man das Turnen auf einem Pferd, das an einer Longe geht, oder sogar galoppiert. Es gibt dabei ein festgelegtes Turniermaß für den Voltigierzirkel, den Durchmesser des Kreises, der beim Voltigieren einzuhalten ist; er beträgt 18 Meter.

Das Pferd kann dabei in verschiedenen Geschwindigkeiten laufen: Schritt, Trab und Galopp sind erlaubt. Während einer Voltigierübung können sich bis zu 3 Voltigierer auf und an dem Pferd befinden. Sehr beliebt ist diese Art des Turnens bei Kindern, die hier einen guten Einstieg in den Umgang mit Pferden und den Pferdesport generell finden.

Neben dem Freizeit-Voltigieren gibt es das sehr disziplinierte, als Leistungssport anerkannte Voltigieren, bei dem regelmäßig regionale, nationale und internationale Wettkämpfe ausgetragen werden. Im Jahr 1920 galt Voltigieren sogar schon einmal als olympische Disziplin (in Antwerpen).

Sehr frühe Felszeichnungen, die aus der Zeit vor Christi Geburt stammen, zeigen schon Menschen, die stehend auf einem Pferd reiten. Man kann daher davon ausgehen, dass unsere sehr frühen Vorfahren bereits damit vertraut waren, sich turnerisch auf einem Pferd zu bewegen. Sicherlich waren auch die berühmten griechischen und chinesischen Bogenschützen speziell für ihre Tätigkeit auf den Pferden entsprechend geschult.

Später entwickelte sich das kunstvolle Turnen auf dem Pferd weiter und fand im alten Rom und im Mittelalter begeisterte Anhänger während öffentlicher Vorführungen.

Mit der Entwicklung der Buchkunst entstanden auch die ersten Dokumentationen zum Thema Voltigieren. Petrus Monti und Giocondo Baluda sind bekannte Verfasser von detaillierten Schriften zum Thema Voltigieren. Nach Deutschland kam die Kunst des Voltigierens durch den aus Württemberg stammenden Theologen Andreä, der auf einer Reise durch Italien diese für ihn neue Art der Bewegung auf dem Pferd kennen gelernt hatte. Er war so begeistert, dass er in Tübingen eine Schule dazu gründete.

Den Ursprung des heutigen Voltigierens findet man im militärischen Bereich. Es war wichtig, dass die Kavallerie (berittene Soldaten) gut auf den Pferden ausgebildet war. Daher wurden spezielle Übungen entwickelt, die die Soldaten sicherer und beweglich im Umgang mit ihren Pferden machen sollten. Es galt, das Gleichgewicht und die Kraft der Reiter zu verbessern, um so eine gute, berittene Streitmacht zu erhalten.

Der berühmte „Turnvater Jahn“ sorgte im 19. Jahrhundert für eine wahre Welle der Begeisterung für das Turnen, auch für das Turnen am und auf dem Pferd. Es zeichnete sich eine Zweiteilung ab, die auch heute noch existiert: einmal die Bewegung auf dem laufenden Pferd, zum anderen die Bewegung auf dem feststehenden Holzpferd; jenem Turngerät, das wir auch heute noch kennen und das fester Bestandteil des Sportunterrichtes an deutschen Schulen ist.

Video bei Youtube.de  – Voltigieren

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