Die Übergangsphase

Die Zeit vom 14. – 21.Tag ist die sogenannte Übergangsphase. Die Welpen entwickeln sich sehr schnell, da die Sinne der Kleinen rasant erwachen.

Das Gehör verbessert sich permanent in diesen Tagen und der Geruchssinn verfeinert sich. Diese Entwicklung ermöglicht dem Welpen einen umfassenderen Kontakt zu seiner Außenwelt.

Üblicherweise öffnen sich die Augen um den 12. – 15. Tag (kann aber auch leicht variieren, je nach Tragzeit). Obwohl die vollständige Sehfähigkeit noch nicht sofort gegeben ist, reagiert der Pupillenreflex sofort.

Die Augen sind zunächst blass-bläulich und können anfangs noch nicht vollständig bewegt werden, sodaß es erscheint, als ob die Welpen schlimm schielten. Unerfahrene Züchter befürchten bei dieser Beobachtung häufig eine Fehlentwicklung; dies erweist sich jedoch fast immer als unbegründet.

Die Sehfähigkeit der Welpen kann man sehr gut mit einer Taschenlampe testen: man lässt die Lampe in einem angemessenen Abstand vor den Augen der Welpen aufleuchten. Wenn die Welpen zurückweichen oder sonstwie Missfallen äußern, dann weiß man, dass sie sehen können.

In der Zeit vom 14. – 21. Tag öffnen sich auch die Ohren. Die Welpen beginnen sehr deutlich, auch auf Geräusche zu reagieren. Gute Züchter bieten verschiedene akustische Reize anfänglich nur sehr leise an, um die Welpen einerseits nicht zu erschrecken und andererseits das empfindliche Gehör nicht zu stark zu beanspruchen. Eine zu große Lautstärke ist schädlich; die Hunde können bei zu lauten Geräuschen Angst entwickeln, die ein Leben lang anhalten kann.

Ca. um den 16. – 18. Tag entwickelt sich bei den Welpen das Riechvermögen. Dieser Sinn ist für die Hunde extrem wichtig und weitaus ausgeprägter als beim Menschen. Menschen orientieren sich hauptsächlich an den Dingen, die sie sehen, sogar blinde Menschen setzen die sinnlichen Erfahrungen, die sie machen, in Bilder um.

Das ist bei Hunden anders. Sie richten sich nach Gerüchen, sogenannte „Riechbilder“ sind Voraussetzung für ihre Orientierung. Neben der körperlichen Bewegung bildet das „Schnüffeln“ eine wichtige psychische Herausforderung für den Hund. Fährtensuchen beansprucht ihn außerordentlich; eine gut gelegte Fährtensuche kann einen Hund sehr gut fordern.

Hunde lieben es, zu schnüffeln. Das ist für sie wie Zeitung zu lesen. Sie verfolgen gerne die Duftspuren anderer Hunde, beschnuppern ausgiebig beliebte Duftecken und ihre eigenen Artgenossen. Auch Umweltdüfte aller Art finden sie interessant. Die jungen Hunde entwickeln mit der Ausbildung dieses wichtigen Sinnes auch ihre Neugier.

Und je neugieriger solch ein kleiner Welpe ist, umso mehr lernt er natürlich. Dies wiederum hat Einfluss auf die Bildung der Myelinscheide (Nervensystem). Ein guter Züchter kann in dieser Phase relativ schnell die ersten Charakterzüge eines Welpen erkennen. Wenn er dann feststellt, dass der eine oder andere etwas zu ruhig ist, kann er diesen motivieren, indem er ihm Anregungen gibt. Geruchspräparierte Gegenstände, die man in die Wurfkiste legt, eignen sich gut, um den Welpen zum Schnuppern anzuleiten.

Auch in diesen Tagen sind die Bewegungen der Welpen immer noch recht langsam und wirken zum Teil wie im Zeitlupentempo oder noch recht tapsig.

Es gibt in dieser Woche allerdings einen weiteren, relevanten Entwicklungsschritt für die jungen Hunde: bisher ernährten sie sich ausschließlich durch Saugen der Muttermilch. Jetzt kommt eine Neuerung hinzu: das Muttertier erwürgt für seine Jungen den Futterbrei.

Ausschlaggebend dafür ist wieder ein instinktiver Reflex: die Welpen drücken ihre kleinen Nasen in die Mundwinkel ihrer Mutter. Diese bewirkt das Auswürgen des Nahrungsbreies.

Diese Verhaltensweise kann man auch bei Hunden untereinander beobachten. Bei diesem sogenannten „Bettelstoßen“, bzw. Lecken der Mundwinkel reagiert das „Opfer“ (der Angestoßene) fast immer mit einem langgezogenen Gähnen – vergleichbar mit dem Öffnen des Maules der Mutter beim Herauswürgen des Futterbreies. Der Züchter kann dieses Verhalten übrigens auch auslösen, indem er den Hund an seinen Mundwinkeln streichelt.

Zusammenfassend kann man für die 3. Woche feststellen, dass nun die Umwelt für die Welpen wahrnehmbarer wird. Bedingt durch ein verbessertes Gehör und das Öffnen der Augen verfügen die Welpen über eine sehr viel größere Aufnahmefähigkeit als in den ersten beiden Lebenswochen.

Durch das gezielte Setzen adäquater Reize kann man gerade in dieser Zeit den Hund positiv in seiner Entwicklung beeinflussen.

Der Züchter sollte allerdings darauf achten, dass er den Welpen weder über- noch unterfordert. Die Prägemaßnahmen sollten sanft unterstützend stattfinden und immer auf die Befindlichkeiten des jeweiligen Welpen Rücksicht nehmen.

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