Hausratversicherung: Erstreckt sich der Versicherungsschutz auch auf die Garage?

Die Hausratversicherung ist eine der wichtigsten Versicherungen zum Schutz des eigenen Hab und Gutes. Im Falle eines Feuers oder bei Leitungswasserschäden können die beschädigten oder zerstörten Hausratgegenstände über die Hausratversicherung neu beschafft werden.

Der Versicherungsschutz gilt auch für das Risiko Einbruch, das in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Allein im Jahr 2016 kam es in Deutschland zu mehr als 140. 000 Einbrüchen in Wohnungen und auch in Garagen. Die Frage, die sich stellt: Ist der Hausrat auch in der Garage versichert?

Wo gilt der Versicherungsschutz der Hausratversicherung?

Allgemein ist bekannt, dass die Hausratversicherung für Schäden aufkommt, die sich innerhalb der eigenen vier Wände ereignen, also im Haus oder in der Wohnung. Vielfach unbekannt ist jedoch, dass sich der Versicherungsschutz auch auf das Grundstück selber bezieht. Mittlerweile erstreckt sich der Schutz also auch auf den heimischen Garten, wenn hier zum Beispiel Gartenmöbel gestohlen werden. Das allerdings nur, wenn der Garten auch durch eine Mauer, einen Zaun oder eine Hecke begrenzt ist. Zum Grundstück gehört auch die Garage. Nicht selten werden dort Gartengeräte, Fahrräder oder andere Dinge gelagert, die im Haus vorübergehend keinen Platz finden. Wird in die Garage eingebrochen, leistet die Hausratversicherung. Hier gibt es allerdings Ausnahmen zu beachten. Nicht jeder Einbruch in eine Garage ist auch automatisch versichert.

Kein Versicherungsschutz in Sammelgaragen

Aktuell musste das Amtsgericht München sich mit der Klage eines Versicherten gegen seine Hausratversicherung befassen. Der Kläger hatte in der Sammelgarage mit ungefähr 100 Plätzen seine Winterreifen gelagert. Der Stellplatz war als Doppelstellplatz für zwei Kraftfahrzeuge angelegt. Zusammen mit einem weiteren Mieter konnte der Kläger die mit Gitterstäben und einem Doppeltor gesicherte Garage betreten. Dort wurden im Jahr 2013 vier Winterreifen entwendet, die der Kläger von der Hausratversicherung ersetzt haben wollte. Die Hausratversicherung verweigerte jedoch die Schadensersatzleistung, da die Garage nicht nur für ihren Versicherungsnehmer, sondern auch für andere Personen zugänglich war. Damit gab das Amtsgericht München der Hausratversicherung Recht. Versicherungsschutz besteht üblicherweise, auch nach dem Laienverständnis, nur in verschlossenen Einzelgaragen.

In welcher Entfernung darf sich die Garage befinden?

Wer in seiner Garage Gegenstände des Hausrates unterbringt, macht das im Normalfall in der Garage, die zu seinem Grundstück gehört oder in unmittelbarer Nähe vorhanden ist. Zu vielen Miethäusern gehören Garagen, die sich nicht direkt auf dem Grundstück befinden, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft auf einem gesonderten Grundstück. Damit ist die Garage für gewöhnlich in Sichtweite und auch in kürzester Zeit fußläufig erreichbar. Der Versicherungsschutz endet aber dann, wenn die Garage sich mehrere Kilometer vom Versicherungsgrundstück entfernt befindet. So entschied das Landgericht Coburg bereits im Jahr 2009, dass die Entfernung von einigen Kilometern zum eigentlichen Versicherungsort zu weit entfernt ist. Geklagt hatte der Eigentümer zweier Go-Karts, die in der Garage untergebracht waren und bei einem Einbruch entwendet wurden. Der Schaden von rund 9.000 Euro wurde von der Hausratversicherung nicht getragen.

Welche Anzeichen für einen Einbruch in die Garage müssen vorliegen?

Das Klischee vom Einbrecher sieht so aus: Er streicht mit dem Kuhfuß als Werkzeug nachts um die Häuser und sucht nach Objekten, wo er einsteigen kann. Das ist längst nicht mehr der Fall. Der klassische Ede hat ausgedient. Die meisten Einbrecher kommen tagsüber und verwenden nur noch Schraubenzieher zum Aufhebeln von Fenstern. Garagen sind ebenfalls sehr beliebt, da sie ein bisschen abseits vom Haus liegen und nicht über größere Sicherungen verfügen, sondern nur über einfache Schlösser. Aus Sicht der Rechtsprechung ist aber über die Hausratversicherung auch dann Schutz gegeben, wenn sich ein Einbrecher ohne den Einsatz von Werkzeug Zugang verschafft, in dem er nur das Torblatt aufbiegt und dann das Schloss entriegelt. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Passau hervor. Die Hausratversicherung des Geschädigten verweigerte zunächst die Schadenersatzleistung, da keine Einbruchspuren durch Werkzeuge vorlagen. Die Richter vertraten allerdings die Ansicht, dass das Aufbiegen des Torblattes nicht ohne eine unerhebliche Kraftanstrengung verlaufen ist. Damit sind die Anforderungen an die Merkmale eines Einbruches erfüllt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.