Hausratversicherung: Sind teure Uhren Schmuck oder Alltagsgegenstände?

Teure Uhren

Wer eine teure Uhr besitzt, trägt und zeigt sie gerne. Ob Rolex, Breitling Casio oder TAG Heuer: Sie haben alle eines gemeinsam. Der Wert geht in den meisten Fällen deutlich in den fünfstelligen Bereich.

Daher sind teure Uhren auch eine beliebte Beute von Einbrechern oder Räubern. Werden teure Uhren bei einem Einbruch oder bei einem Raubüberfall entwendet, wird die Straftat gleichzeitig auch zum Versicherungsfall. Leider sind sich die Gerichte in Deutschland noch nicht so ganz einig, was die Betrachtung zweier Fälle zeigt.

Oberlandesgericht Frankfurt: Uhren sind Schmuck

In der Regel gelten in der Hausratversicherung Entschädigungsgrenzen für Wertsachen, wenn sie sich zum Zeitpunkt eines Einbruches nicht in einem Tresor befinden. Das gilt auch für einen Raubüberfall in den eignen vier Wänden. Die meisten Hausratversicherer setzen hier eine Obergrenze von 20.000 Euro an. Übersteigt der Wert des gestohlenen Schmuckes diese Grenze, so bleibt der Geschädigte auf seinem Schaden sitzen. Das entschied das Oberlandesgericht Frankfurt im Juli 2017. Nach der Entscheidung der Richter fallen Uhren unter den Oberbegriff Schmuck und sind keine gebräuchlichen Alltagsgegenstände.

Uhren im Wert von 80.000 Euro entwendet – Hausratversicherung muss nicht vollständig zahlen

Bei einem Einbruch in einem Wohnhaus haben die Einbrecher unter Androhung von Gewalt unter anderem drei Uhren im Wert von rund 80.000 Euro erbeutet. Der geschädigte Hauseigentümer wollte den Schaden in voller Höhe von seiner Hausratversicherung ersetzt haben. Dies lehnte jedoch ab, da nach den Versicherungsbedingungen und dem gängigen Verständnis teure Uhren, unter anderem von Rolex, als Schmuck zu bewerten sind. Den Einwand, dass die Uhr zum Messen der Zeit getragen wurde, ließ die Hausratversicherung nicht gelten. Letztendlich schlug sich das Oberlandesgericht Frankfurt auf die Seite der Hausratversicherung. Diesem Urteil nach gelten teure Uhren also als Schmuck und müssen im Tresor gelagert werden, damit voller Versicherungsschutz besteht.

Oberlandesgericht Koblenz: Uhren sind kein Schmuck

Das eine vergleichbare Situation auch völlig anders entschieden werden kann, zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichtes Koblenz aus dem Jahr 2011. Der Eigentümer einer Armbanduhr hatte diese beim Sport in einem Spind eingeschlossen. Dieser wurde in einem unbeobachteten Moment geknackt und die Uhr entwendet. Der Schaden lag bei rund 40.000 Uhr. Den Verlust der Uhr sollte die Hausratversicherung ersetzen. Die Hausratversicherung lehnte die Höhe des Schadens ab und verwies auf die Entschädigungsgrenzen für Wertsachen. Der Versicherer wollte lediglich 20.000 Euro übernehmen. Das Oberlandesgericht Koblenz vertrat allerdings eine andere Auffassung.

40.000-Euro-Uhr ist ein Zeitmesser und kein Schmuck

Verbraucherfreundlich war das Oberlandesgericht Koblenz eingestellt: Die Richter sprachen dem Bestohlenen den vollen Schadensersatz für die Uhr zu. Nach Auffassung des Gerichtes ist der Hauptzweck einer Uhr nicht das Tragen als Schmuck, sondern die Funktion als Zeitmesser. Daher sind Uhren von ihrer alltäglichen Funktion auch nicht als Schmuck einzustufen und fallen demnach auch nicht unter die Entschädigungsgrenzen für Wertsachen. Die Hausratversicherung wurde dazu verurteilt, den Schaden in voller Höher zu decken.

Uhren in der Hausratversicherung – wie können sie richtig abgesichert werden?

Zwei Fälle von gestohlenen Uhren und zwei unterschiedliche Urteile: Hier zeigt sich, dass die Gerichte durchaus verschiedene Auffassungen zu dem Thema haben. Was sich aber auch zeigt, dass die Hausratversicherer in beiden Fällen sich einig waren. Die Höhe des Schadens wurde in beiden Fällen abgelehnt, da die Uhren zu den Wertsachen im Hausrat gezählt wurden. Das bedeutet für die Eigentümer von teuren Uhren gleichzeitig, dass ein Diebstahl der Uhr, sofern sie im Gebrauch sit, nur mit Einschränkungen ersetzt wird. Für Wertsachen gilt: Diese sind nur dann bis zur Versicherungssumme abgedeckt, wenn sie sich im Tresor befinden. Das ist beim Tragen einer teuren Uhr natürlich nicht möglich.

Entschädigungsgrenzen individuell festlegen

Wenn teure Uhren ausreichend abgesichert sein sollen, muss die Hausratversicherung entsprechend angepasst werden. Die meisten Versicherer haben mittlerweile sogenannte Premiumtarife, in den Wertsachen pauschal höher versichert sind oder die Entschädigungsgrenzen höher festgelegt werden können. Ansonsten kann ein solcher Diebstahl problematisch werden, wenn es um die Erstattung geht. Nicht immer entscheiden die Gerichte zugunsten der Versicherten, wie die beiden Urteile zeigen.

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