Nach dem ersten Herbststurm – Wer zahlt für den Schaden, wenn der Baum aufs Auto stürzt?

Baum ist auf ein Auto gestürzt

In der vergangenen Woche haben wir einen kleinen Vorgeschmack bekommen, was im Laufe der nächsten Wochen noch an Stürmen auf uns zukommen kann. Sturm Xavier hat im Norden und Osten Deutschlands eine Schneise der Verwüstung hinterlassen.

Eingestellter Bahnverkehr, umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und beschädigte Autos: Die Schadenermittlungen laufen noch, so dass noch nicht geklärt ist, wie hoch das Ausmaß des Schadens ist. Besonders für Halter beschädigter Fahrzeuge ist unklar, wer überhaupt für den Schaden an ihren Fahrzeugen aufkommt.

Baum stürzt auf ein Auto – Muss der Grundstückseigentümer dafür aufkommen?

Hundertfach sind bei Sturm Xavier Kraftfahrzeuge von umgestürzten Bäumen oder herabfallenden Ästen beschädigt worden. Naturgemäß werden sich die betroffenen Fahrzeughalter zunächst an ihre Kfz-Versicherung wenden. Besteht jedoch nur eine Haftpflichtversichersicherung und kein Kaskoschutz, dann gibt es kein Geld. Bleibt also noch der Grundstückseigentümer, von dessen Grundstück aus der Baum auf das Auto gestürzt ist. Dieser ist jedoch nur unter Umständen schadensersatzpflichtig. Das gilt dann, wenn er seine Verkehrssicherungspflichten vernachlässigt hat. In diesem Fall kommt die Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung zum Zuge, die den Schaden abdecken wird. Das aber nur, wenn eine Haftung des Grundstückseigentümers besteht. Informationen zu diesem Thema finden Sie auch auf unserer Internetseite: Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht

Wann haftet der Grundstückseigentümer für umgestürzte Bäume?

Grundsätzlich ist der Grundstückseigentümer schadenersatzpflichtig, wenn die Bäume auf seinem Grundstück eine Gefährdung darstellen, etwa weil sie schon vom Ansehen her brüchig oder morsch sind. Sind die Schäden bereits so offensichtlich, rechtfertigt das Schadensersatzansprüche. Das hat der Bundesgerichtshof bereits im Jahr 2002 entschieden. Hier ging es konkret um Pappeln, die auf ein Nachbargrundstück gestürzt sind und dort ein Gartenhaus zerlegt haben. Der Pappeleigentümer musste dafür zahlen – beziehungsweise seine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht. Er hat seine Verkehrssicherungspflichten nicht erfüllt und die Bäume einerseits nicht regelmäßig kontrolliert und andererseits die Gefahrenquelle nicht beseitigt.

Tipp: Die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht ist eine unerlässliche Absicherung für Grundstückseigentümer, wenn bei einem Schadensfall durch den Geschädigten Schadenersatzforderungen gestellt werden. Sind sie berechtigt, deckt die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht den Schaden ab. Besteht keine Haftung, so wird der Schadensersatzanspruch abgewehrt. Damit ist der Grundstückseigentümer zivilrechtlich entlastet.

Haften Grundstückseigentümer generell für umgestürzte Bäume?

Der obige Fall zeigt: Grundstückeigentümer haben Verkehrssicherungspflichten und müssen ihre Bäume regelmäßig überprüfen. Es reicht aus, wenn eine Sichtprüfung im belaubten und im unbelaubten Zustand durchgeführt wird. Das geht aus einer Entscheidung des Saarländischen Oberlandesgerichtes aus dem Jahr 2014 hervor. Sind hier keine Schäden ersichtlich, so muss auch kein Fachmann für eine tiefergehende Kontrolle hinzugezogen werden. Stürzt einer der Bäume bei einem Sturm um, so ist der Grundstückseigentümer raus aus der Haftung. Kommt es dennoch zu Schadenersatzforderungen, so wird die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht den Schaden prüfen und die Ansprüche des Geschädigten notfalls auch vor Gericht abwehren. Die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht übernimmt hier die Vertretung der rechtlichen Interessen.

Wie müssen Bäume geprüft werden?

Mehrere Gerichte haben sich mittlerweile mit dem Thema befasst. So ging das Saarländische Oberlandesgericht im Jahr 2014 davon aus, dass eine Sichtprüfung zweimal im Jahr ausreicht. Einmal im belaubten und einmal im unbelaubten Zustand. Dabei gelten für ältere Bäume keine zusätzlichen Maßnahmen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied im Jahr 2013, dass für eine 200 Jahre alte Eiche ebenfalls eine Sichtprüfung ausreichend ist, wenn keine Anzeichen für eine Schädigung vorliegen. Als Anzeichen für eine Schädigung gelten Pilzbefall, abgestorbene Äste oder vertrocknete Blätter. In diesen Fällen sollte ein Fachmann hinzugezogen werden, so das Oberlandesgericht Hamm im Jahr 2002.

Der geschädigte Fahrzeughalter ist in der Beweispflicht

Kommt es zu einem Schaden, weil der Baum auf ein Auto gestürzt ist, liegt die Beweislast beim Fahrzeughalter. Er muss dem Grundstückseigentümer nachweisen, dass er seine Pflichten verletzt hat. Selbst ein schief stehender Baum, dessen Wurzeln die Gehwegplatten bereits leicht anheben, ist noch kein Indiz dafür, dass es zu einem Schaden bei einem Sturmereignis kommen kann. So ging im Jahr 2004 eine Fahrzeughalterin vor dem Amtsgericht München leer aus, nachdem ein Baum auf ihr Auto gestürzt war.

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